Internet Statement 2004-24

 

Islamistischer Terror gegen das spanische Volk – eine weit zurückreichende Spur in der Geschichte. Franco und die „Moros“.

25.4.2004                 

Bald nach dem Massenmord vom 11. März an Arbeitern und anderen Menschen der Bevölkerung von Madrid, die nicht aus den reichen Schichten stammten, wurden mehrere Verdächtige aus Marokko verhaftet, und es ist die Rede von Verbindungen mit einer islamisch-fundamentalistischen Terroristengruppe, die bereits dort in Erscheinung getreten sei.

Es gibt eine Reihe von Gründen, gegenüber derartigen Mitteilungen über mutmaßliche Täter vorsichtig zu sein, bis eine überprüfbare Beweisführung erbracht ist. Vorsicht ist auch deswegen angebracht, weil die politischen Hintergründe des Anschlags noch immer keineswegs geklärt sind und sich weiterhin die Frage stellt, ob nicht massive politische Interessen oberster herrschender Kreise in seine Vorbereitung hereinspielt haben. Unter solchen Umständen muß auch mit Manipulationen gegenüber der Aufklärung des Verbrechens gerechnet werden – als Beispiel können die Vorgänge um den 11. Sept. 2001 dienen.

Ob die Spur nach Marokko sich bestätigen sollte oder nicht, so gibt die Nennung dieses Landes doch  Anlaß, auf einige historische Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Es gibt in der früheren Geschichte schon mindestens zwei Fälle reaktionären Terrors gegen das spanische Volk, der sich auf die islamische Rückständigkeit Nordafrikas gestützt hat und Kräfte von dort bezogen hat.


Fall 1:

Ende des 11. Jh. wurde Spanien, der islamische Teil sowie ein Teil des christlichen Bereichs, von den Almoraviden, einer berberischen religiös-politischen Re-Islamisierungsbewegung aus Nordafrika, erobert und für seine Religions- und Kulturkoexistenz, seine Kulturblüte, seinen Reichtum und seine Aufweichung der islamischen Gebote gezüchtigt. Anders ausgedrückt: die entwickelten Verhältnisse, die sich dort seit der ersten islamischen Eroberung (ab 710) und der teilweisen christlichen Rückeroberung in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen orientalisch-islamischer, antiker, christlicher, germanischer und jüdischer Bevölkerungs- und Kulturelemente herausgebildet hatten, war den Fundamentalisten ein schweres Ärgernis. Die Blüte dieser hochgradig gemischten und international verknüpften Wirtschaft und Kultur, wiewohl unter den Bedingungen und Beschränkungen der Oberherrschaft islamischer Despoten oder christlicher Feudalführer, ist vielfach beschrieben worden. 

Die nordafrikanischen fundamentalistischen Eroberer hausen derart in Spanien, daß sie von Aufständen der spanischen einschl. der spanisch-muslimischen Bevölkerung 1145 nach Nordafrika zurückgetrieben werden. Zwar versuchen die Almohaden, eine weitere Fundamentalistenbewegung aus Nordafrika, die die Almoraviden inzwischen wiederum als verkommen kritisiert, ihrerseits noch einmal Spanien für den Islam zu retten, sie erleiden jedoch 1212 eine historische Niederlage gegen die vereinigten Kräfte Kastiliens, Navarras und Aragons, die das Ende der gesamten muslimischen Herrschaft auf der iberischen Halbinsel im Jahre 1225  nach sich zieht (mit Ausnahme des Emirats Granada, das Kastilien untergeordnet bis 1492 bestehenläßt).

Friedrich Engels schrieb 1894 in der Arbeit „Zur Geschichte des Urchristentums“:

„Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des ’Gesetzes’. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen: eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist's geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts.“ (MEW 22 S. 450, Fußnote)


Fall 2:

Im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39 startete der katholische Klerikalfaschist Franco, der die offene militärische und finanzielle Unterstützung der faschistischen Regime Deutschlands  und Italiens besaß sowie hinter den Kulissen die politische Unterstützung der dominierenden Kreise des  Finanzkapitals in USA und Großbritannien, seinen reaktionären Aufstand gegen die legitime Regierung Spaniens von Marokko aus, der damaligen spanischen Kolonie. Von dort rekrutierte er auch diejenigen Teile seiner Truppen, die „moros“, die sich durch besondere Bestialität gegen die Bevölkerung und gegen Gefangene auszeichneten. „General Franco gewann den Spanischen Bürgerkrieg dank seiner marokkanischen Elitetruppe. Auch hier gab es eine Diskussion: was veranlaßte die schlechtbezahlten Kolonialsoldaten, sich mit ganzen Herzen für die Sache ihrer Unterdrücker einzusetzen? Es stellte sich heraus, daß die Kolonialbehörde mit dem Koran und islamischer Theologie bestens vertraut war. Den muslimischen Soldaten wurde erklärt, in Madrid seien Gottlose an der Macht, die Kirchen zerstörten und Nonnen vergewaltigten. Da sei es doch die Pflicht der Muslime, den Gläubigen gegen die Ungläubigen beizustehen. Daraufhin zogen die todesmutigen Marokkaner in den Dschihad gegen ‚al-killab billa din’ (die religionslosen Hunde).“ (Khalid Duran, FAZ 10.10.2001)

„Die Retter der christlichen Zivilisation hatten unseren überraschten Kameraden die Herzen herausgeschnitten, die Augen ausgestochen, die Gliedmaßen abgehackt. Einige der so geschändeten Leichname waren dann angezündet worden und teilweise verkohlt.“
(Alfred Kantorowicz, Spanisches Kriegstagebuch, Fischer Vlg. 1982, S. 402, über das Schicksal einer Gruppe internationaler Brigadisten, die in einen Hinterhalt von Moro-Truppen geraten waren.)

Der Fall Franco ist besonders interessant, weil hier bereits Elemente einer Konstellation auftauchen, die heute immer wieder eine Rolle spielt: die islamische Reaktion als Instrument der ausgesprochen konterrevolutionären und anti-demokratischen Strömungen im Kapitalismus.


Hier noch ein Auszug aus einem Artikel von Februar 2004, in dem auch anhand von Interviews versucht wird, die Schlächtermentalität von islamistisch-fundamentalistischen Selbstmordattentätern zu erfassen:

„Parasiten des Zorns
Wie Al Khaïda neue Akteure rekrutiert

von Christoph Reuter

„Absolut entschlossene Selbstmordattentäter sind selten für ein mehrstündiges Interview zu bekommen. Schon gar nicht, nachdem sie ihren Willen zur Tat unter Beweis gestellt haben. Insofern war es eine seltene Gelegenheit, im März vergangenen Jahres in Nordirak auf Qais Ibrahim Qadir zu stoßen: einen Mann Ende 20, der mit glühender Begeisterung schwor, Mitglied von Al Khaïda zu sein, unbedingt und sofort töten sowie sterben zu wollen. Was ihm beides zu der Zeit nicht möglich war, da er als einziger einen Selbstmordanschlag auf den Premier der kurdischen Provinzregierung im Ostteil der einstigen Autonomiezone überlebte und seither im schwer bewachten „Sicherheitsgefängnis“ von Suleimaniye einsitzt.

Qadir ist ein überaus höflicher, belesener Mensch. Er hat Zeit, also nahm er sich fünf Stunden, seinem Besucher zu erklären, warum er nicht nur sich, sondern auch weite Teile der Menschheit umbringen möchte: „Es geht nicht nur ums Paradies für mich. Wir müssen die Welt reinigen!“ Ausführlich erläuterte er die verschiedenen Kategorien von Ungläubigen, systematisiert nach A, B und C, die erklärten Feinde des Islams, die abgefallenen Muslime und die schlicht noch nicht Bekehrten, deren Tod nicht gewünscht, aber auch nicht allzu verwerflich sei. Jedes koranische Argument, daß es untersagt sei, Unschuldige zu töten, konterte er mit einem Gegenargument. Als die Unterredung zu Ende war, bedankte er sich dafür, sie auf arabisch geführt zu haben, „wirklich, es war mir eine Freude!“ Auf die Frage aber, wieso er dann auch seinem Gegenüber immer noch nach dem Leben trachte, lächelte er freundlich, öffnete in einer Geste des Bedauerns die Arme und entschuldigte sich: „Es tut mir Leid, aber du mußt verstehen: Wir sind im Krieg!“

Es geht um die Reinigung der Welt, um die Vernichtung der Verderbnis, denn nur auf reinem Grund könne Gottes Reich neu auferstehen, errichtet von den wahrhaft Gläubigen.,,“

Aus einem Beitrag des Stern-Reporters Christoph Reuter, erschienen in der Zeitschrift Internationale Politik, Feb 2004 http://www.dgap.org/IP/ip0402/ipaktue.htm


W. Grobe

 

www.neue-einheit.com